St. Josefs Krankenhaus Gießen

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"Gelbe Seiten" für junge Mamas und Papas

 

 

Als "Gelbe Seiten für Eltern mit Neugeborenen" bezeichnete gestern der Kinder- und Jugendarzt Dr. Frank Wagner das Familien-Begleitbuch, das von der Partnerstiftung "Hallo Welt" der Bürgerstiftung Mittelhessen herausgegeben wird. Der "einzigartige", regionalspezifische Ratgeber ist nach zweieinhalbjähriger Planung fertiggestellt und wird ab Montag, 2. November, von Ehrenamtlichen der "Willkommens-Gruppe" an junge Mütter aus Stadt und Landkreis übergeben, die im St. Josefs Krankenhaus entbinden.
Das Buch ist gespickt mit Wissenswertem über Säuglinge, ihre Entwicklung, Pflege und Ernährung sowie unter anderem mit Kontaktdaten der Beratungsstellen in Stadt und Landkreis, die ein Angebot für die Zielgruppe bereithalten. Im Kreise der Unterstützer und Sponsoren sowie Gießens Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich und dem Ersten Kreisbeigeordneten Dirk Oßwald stellten "Hallo Welt"-Initiator Wagner und seine Kolleginnen aus dem Beirat der Partnerstiftung, Birgit Schlathölter (Jugendhilfeplanerin Stadt) und Claudia Warnat (Kreisjugendamt), Details vor.
Buch als Vehikel
Das in einer Auflage von 1000 Stück erschienene Familien-Begleitbuch ist in vier Kapitel unterteilt: Einmal steht zum Beispiel das Baby im Mittelpunkt. In einem anderen Kapitel werden etwa "Nützliches und Wissenswertes" zusammengefasst. Junge Familien finden aber ebenso auch Gutscheine im Buch. Der Ratgeber ist so konzipiert, dass jederzeit die Möglichkeit besteht, zum Beispiel unter der Überschrift "Fachärztliche Notfallversorgung" Telefonnummern und Adressen jederzeit aktualisieren zu können. "Das Buch ist ein Vehikel, um mit den jungen Familien ins Gespräch zu kommen", erklärte Birgit Schlathölter die am Montag beginnende Pilotphase des Projekts "Hallo Welt".
Denn der Ratgeber ist nur ein erster Schritt. Dazu Initiator Wagner: "Wir wollen junge Familien fördern, unabhängig von gesellschaftlichem Hintergrund und Alter der Eltern." Die Vision: "Dass ehrenamtliche Paten die Familien zu Hause besuchen." Den Müttern und Vätern soll das Gefühl vermittelt werden, dass sie nicht alleine sind, dass sie Ansprechpartner haben, die bei Bedarf helfen und unterstützen. Was den Gießener Kinder- und Jugendarzt vor nunmehr zweieinhalb Jahren veranlasste, aktiv zu werden, brachte die Oberärztin Silvia Ghasemi von der Fachabteilung Geburtshilfe des St. Josefs Krankenhauses gestern noch einmal auf den Punkt. "Wir sehen eine zunehmende Hilflosigkeit bei den jungen Familien." Sie fänden keinen Rückhalt mehr in Familien und bei Freunden, formulierte sie die gesellschaftlichen Veränderungen. Und das betreffe alle Bevölkerungsschichten.
Mehr Hilfen zur Erziehung
Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß Wagner, dass "bei Defiziten im ersten Lebensjahr auch die Weiterentwicklung nicht gut läuft". Aus Überforderung könnten vielschichtige Probleme entstehen, die in dramatischen Situationen, wie Verwahrlosung, Misshandlungen, Missbrauch und Gewalt, münden. Dazu der Jugend- und Sozialdezernent des Kreises, Oßwald: "Wir verzeichnen eine extreme Kostensteigerung bei den Hilfen zur Erziehung." Zudem nähmen die Inobhutnahmen zu. In dem Projekt "Hallo Welt" sieht Initiator Wagner einen Beitrag zur "primären Prävention". Es ist eingebettet ins Früh-Präventionsprogramm von Stadt und Kreis. "Es geht um Vernetzung, Information, das Regionalspezifische und eben die aufsuchenden Paten."

"Bei rund 2000 Geburten im Jahr in Stadt und Kreis werden wir zwischen 80 und 130 Ehrenamtliche brauchen, die die Familien zu Hause aufsuchen, ihnen das Familien-Begleitbuch übergeben und partnerschaftlich mit ihnen zusammenarbeiten", blickte Claudia Warnat in die Zukunft. Gerda Weigel-Greilich dazu: "Unser Ziel ist ein Angebot für alle, denn alle Eltern und Familien brauchen Unterstützung."

Gießener Anzeiger / Kerstin Wahl - 28.10.2009



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