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(if). Vor fünf Jahren gegründet wurde die »Fachabteilung Geriatrie« mit 40 Betten im St. Josefs Krankenhaus unter der Leitung von Privatdozent Dr. Klaus Ehlenz. Mit einem speziellen Symposium am Wochenende wurde an die Bedeutung dieser Neuerung erinnert.
»Morgens auf vier, mittags auf zwei und abends auf drei Beinen - was ist das?« . Die Sphinx der griechischen Sage, die bei Theben am Wegrand sitzend Ödipus solcherart nach dem Menschen fragte - als Kind krabbelt er, mittags steht er auf zwei Beinen und am (Lebens)Abend bedarf er des Stockes -müsste sich heute ein anderes Rätsel einfallen lassen: Der Stock ist überflüssig geworden. Ein Sturz im Alter muss keineswegs mehr in verlorener Selbstständigkeit oder mit dem oft gefürchteten Umzug ins Heim enden: Unter der Devise »Wer rastet, der rostet« wird der ältere Mensch so bald wie möglich aus dem Krankenbett geholt. Damit seine Fähigkeiten nicht verkümmern, ist jetzt »Rehabilitation« angesagt.
Rehabilitation lautet auch das oberste Ziel der »Fachabteilung Geriatrie« im St. Josefs Krankenhaus, die mit einem speziellen Geriatrie-Symposium am Wochenende auf fünf Jahre ihres Bestehens unter der Leitung von Chefarzt Privatdozent Dr. Klaus Ehlenz zurückblickte. Die damals gestellte Frage, was eine 40-Betten-Abteilung Geriatrie zu leisten vermöge, habe inzwischen eine überzeugende Antwort gefunden, hob Geschäftsführer Andreas Leipert hervor. Eine »gute Entscheidung« im Sinne der Gründerin des Ordens, Mutter Alfons Maria, sich für Alte, Kranke und Schwache einzusetzen, nannte Schwester Fabiola Manz in ihrem Grußwort den damals gefassten Beschluss. Diesem Anliegen wolle man im Sinne der Ordensgründerin auch in Zukunft nachkommen.
Im Laufe der Veranstaltung ging zunächst der Oberarzt der Geriatrie-Abteilung, Dr. Stefan Steidl, auf die speziellen Aufgaben des Faches ein. Als eine der jüngsten Disziplinen der Medizin wende sie sich dem alten Menschen zu, um ihn zu befähigen, in Würde bei weitest gehender Selbstständigkeit und bestmöglicher Lebensqualität selbstbestimmt zu leben. Dass es bei dieser Aufgabe der Teamarbeit bedarf, hatte einleitend schon Dr. Ehlenz betont.
Anke Wehrenfennig, Fachschwester für Rehabilitation im St. Josefs Krankenhaus machte deutlich, dass die Akuttherapie - welcher Art auch immer - bei der Aufnahme allerdings bereits abgeschlossen und der Patient in bestimmtem Rahmen belastbar sein muss. »Alte Menschen lieben nichts so sehr wie ihre Unabhängigkeit«, betonte Chefarzt Dr. Hermann Lieser. Doch die Osteoporose ist es, die einerseits Knochenbrüche im Alter begünstigt und andererseits zugleich deren operative Behandlung erschwert. »So früh wie möglich« lautet die Devise bei der Frage nach der körperlichen Aktivierung. Dr. Lieser: »Schon nach einer Woche Bettruhe beläuft sich der Kraftverlust auf 30 Prozent.«
Zwar ist Alzheimer noch nicht heilbar, »aber wir können heute ihren Verlauf so verzögern, dass der Patient erst fünf Jahre später eine Heimunterbringung benötigt«, unterstrich Dipl.-Psychologin Pamela Hirzmann, als sie auf die verschiedenen Formen des Demenz einging. Nachdem im Anschluss Dr. Matthias Karl aus der Vitos-Klinik Versorgungsmodelle für gerontopsychiatrische Patienten vorgestellt hatte, bedankte sich der Neurologe Dr. Jürgen Rieke aus dem Neurozentrum Gießen mit einem spannenden Referat für die gute kollegiale Zusammenarbeit : Sechs Millionen Menschen«, so ergänzte er Dr. Lieser, »leiden in Deutschland an einer Osteoporose und rund hunderttausend davon erleiden alljährlich einen Schenkelhalsbruch.« Folge: Bei fünfzig Prozent von ihnen ist danach die Beweglichkeit eingeschränkt, 20 Prozent werden pflegebedürftig und hundert Prozent werden die Angst vor einem weiteren Sturz nie wieder los.
Einfühlsam schilderte Rieke das Bild des Parkinson-Patienten, der heute zwar eine normale Lebenserwartung hat, dessen hunderte von Milliarden Nervenzellen indes in zunehmendem Maße ihre Koordinationsfähigkeit einbüßen.
Welche Möglichkeiten die Kardiologen heute namentlich all jenen Herzpatienten anbieten können, die beispielsweise bei einer verkalkten Aortenklappe aus Altersgründen für eine »offene« Operation am Herzen nicht mehr in Frage kommen, schilderte schließlich in einem eindrucksvollen Beitrag Privatdozent Dr. Ali Erdogan, geschäftsführender Oberarzt der Abteilung Kardiologie im Universitätsklinikum. Bisher haben in Gießen sieben hochbetagte Patienten, die für eine Operation mit der Herz-Lungen-Maschine nicht mehr in Frage kamen, von der neuen, ursprünglich in Frankreich entwickelten minimalinvasiven Methode profitiert.
Gießener Allgemeine vom 19.10.2009