
Navigation überspringen und zum Inhalt gehen
Bedarf an Geriatrie wächst jedes Jahr aufgrund des demographischen Wandels - Gesamt-Therapiekonzept und Behandlung für die Zeit “danach“
(soh). “Unser Ziel ist es, den alten Menschen so weit zu rehabilitieren, dass er in Würde und mit weitest gehender Selbstständigkeit und bestmöglicher Lebensqualität leben kann“. Privat-Dozent Dr. Klaus Ehlenz ist Chefarzt der Geriatrischen Abteilung am St. Josefs Krankenhaus. Seit mittlerweile fünf Jahren kümmert man sich dort um den alten Menschen, der nach einem akuten Ereignis wie Schlaganfall oder Oberschenkelhalsbruch im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine kommen soll.
Der Bedarf an einer solchen Abteilung ist groß, wächst sogar jedes Jahr aufgrund des demographischen Wandels. Das Durchschnittsalter der Patienten liegt bei rund 80 Jahren. Der Großteil von ihnen, rund 90 Prozent, werden aus anderen Krankenhäusern an die Geriatrische Abteilung am St. Josefs überwiesen, die 40 Betten umfasst. “Nach einer Diagnose, bei der vorliegende körperliche und psychiatrische Probleme abgeklärt werden, werden der Reha-Bedarf und die Heilungschancen ermittelt“, sagte Ehlenz.
Auch Vorerkrankungen wie Diabetes oder Demenz müssen bei der Therapie natürlich berücksichtigt werden. “Der medizinische Bedarf von alten Menschen ist höher als bei jüngeren Menschen“, so Ehlenz. Daher brauchten diese Patienten ein Gesamttherapiekonzept, das von verschiedenen Fachleuten für jeden einzelnen Patienten erarbeitet werde. “Geriatrie bedeutet in erster Linie Teamarbeit“, betonte Ehlenz. Jeder Patient werde einmal in der Woche vom gesamten Team besprochen. Dazu gehören Vertreter der Ärzteschaft, des Pflegepersonals, der Seelsorge, der Logopädie, der Sozialarbeit, der Ergotherapie, der Physiotherapie und der Psychologie. Mit modernsten Geräten ist beispielweise die Physiotherapie ausgestattet. Hier werden Bewegungsabläufe und der Gleichgewichtssinn trainiert.
“Wenn jemand bewegungsunfähig zu uns kommt und am Ende der Reha aufstehen kann, dann bin ich richtig glücklich.“ Alexandra Zaagougui, Physiotherapeutin. So wie bei Klaus-Dieter Schmehl aus Ehringshausen. Bettlägerig und bewegungsunfähig kam er nach Gießen in die Geriatrie. Nun steht der 65-Jährige kurz vor seiner Entlassung und kann bei der täglichen Visite von Stationsärztin Kerstin Großmann nur strahlen. “Es war sagenhaft hier“, meinte er. “Ich kann jetzt wieder laufen und alleine nach Hause“.
Auch um das Danach, das Leben zu Hause, macht sich das Geriatrie-Team frühzeitig Gedanken. “Können die Angehörigen helfen, muss man einen ambulanten Pflegedienst einschalten oder ist doch die Unterbringung in einem Pflegeheim unausweichlich - das sind Fragen, die wir uns stellen müssen“, sagte Ehlenz.
Ziel sei es natürlich, die Patienten nach Hause zu entlassen, dann müsse der Alltag aber auch wieder richtig laufen. Daher sei auch die Zusammenarbeit mit den Angehörigen und dem Hausarzt ganz wichtig.
Beim Symposium zum fünfjährigen Bestehen am Freitag gewährte das Team der Geriatrie einen Einblick in seine Arbeit.
“Wir verstehen uns als Baustein in der Behandlung des geriatrischen Patienten, der alle wichtigen Aspekte in die Therapie und Betreuung integriert“, sagte Ehlenz. Mit der Veranstaltung wollte man auch all jenen danken, die sich gemeinsam um den geriatrischen Patienten bemühen.
Gießener Anzeiger - 19.10.2009