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"Willkommens-Gruppe" bereitet sich auf Arbeit vor - Wissenswertes über Entwicklung, Pflege und Ernährung
(wa). 14 Frauen bereiten sich seit Monaten auf ihre ehrenamtliche Tätigkeit für das Projekt "Hallo Welt" vor. Die "Willkommens-Gruppe", wie sie sich selbst nennen, wird im St. Josefs Krankenhaus junge Mütter besuchen, die entbunden haben. Im Gepäck: das so genannte Familien-Begleitbuch. Es ist vollgepackt mit Wissenswertem zum Beispiel über Entwicklung, Pflege und Ernährung von Säuglingen. Darüber hinaus sind Kontaktdaten der Beratungsstellen enthalten. Aber nicht nur die Inhalte für den Ratgeber wurden in der Vorbereitungszeit diskutiert. Vielmehr ging es auch um ganz praktische Dinge. Wann, wo und vor allem wie treten sie den jungen Familien gegenüber? "Unsere oberste Maxime ist die Achtung und der Respekt", sagen die Frauen unisono.
Die Partnerstiftung "Hallo Welt" der Bürgerstiftung Mittelhessen will junge Familien fördern - unabhängig von dem gesellschaftlichen Hintergrund und Alter der Eltern. Mit dem Projekt, das von dem Kinder- und Jugendarzt Dr. Frank Wagner initiiert wurde, wird Neuland beschritten. "Hallo Welt" ist ein Baustein im so genannten regionalen Frühpräventionsprogramm in Stadt und Landkreis Gießen. Mit der Arbeit soll verhindert werden, dass junge Eltern sich überfordert und alleingelassen fühlen. Aus Überforderung können vielschichtige Probleme entstehen, "Hallo Welt" soll eingreifen, bevor dramatische Situationen entstehen. Stichworte sind hier Verwahrlosung, Misshandlungen, Missbrauch und Gewalt an Kindern.
In der Stiftung engagieren sich Bürger für Bürger, jeder kann mitmachen. Dem Aufruf folgten bislang 14 Frauen im Alter zwischen Mitte 20 bis 65 Jahren. Schon bald werden sie im St. Josefs Krankenhaus, das für die Pilotphase ausgewählt wurde, tätig sein. "Das Klinikpersonal steht voll hinter der Sache", erklärt Birgit Schlathölter. Die Jugendhilfeplanerin des Jugendamtes der Stadt wird sich künftig wie ihre Kollegin Claudia Warnat vom Kreisjugendamt in ihrer Freizeit für "Hallo Welt" engagieren. Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen der "Willkommens-Gruppe" waren sie schon vor Ort in der Liebigstraße. "Wir werden innerhalb eines Zeitfensters von drei Tagen die Familien mit ihren Neugeborenen im Krankenhaus besuchen", erklären die beiden. Das Begleitbuch übergeben sie in einem extra zur Verfügung gestellten Raum des Krankenhauses an die Mütter und Väter. Wenn diese das wünschen. "Wir machen ein Gesprächsangebot. Aber wir werden auch ein Nein akzeptieren."
Sieben Tage in der Woche zwischen 14 und 16 Uhr sind die Besuche bei den jungen Familien geplant. Bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit werden die Frauen deutlich sichtbar Namensschildchen tragen und sich erkennbar vom Personal unterscheiden. "Das ist ein sehr sensibler Bereich", sagt Birgit Schlathölter.
Aus diesem Grund erarbeiteten sich die Frauen auch eine Art Leitbild, nachdem sie handeln werden. So sei es wichtig, darauf hinzuweisen, dass dies "ein einmaliger Besuch ist. Wir müssen eine gewisse Distanz wahren, um nicht gleich als Helfer vereinnahmt zu werden. Darüber hinaus sind wir kein Fachpersonal, sondern verweisen auf dieses. Weitere Fragen können wir gemeinsam mit den Müttern und Vätern anhand des Buches beantworten." Auch gehe es nicht darum, persönliche Ratschläge zu erteilen. In zahlreichen Rollenspielen haben sich die engagierten Frauen auf ihre neue Tätigkeit vorbereitet, haben sich für "bestimmte Situationen sensibilisiert". Ihnen ist bewusst, dass sie auch auf Familien in sozialer und/oder seelischer Not treffen können, die ihnen ihr Herz ausschütten wollen. Dank der intensiven Vorbereitung und des engen Zusammenhaltes innerhalb der "Willkommens-Gruppe" sagen sie alle über ihre ehrenamtliches Engagement: "Ich kann mich darauf einlassen."
Gießener Anzeiger - 13.10.2009