St. Josefs Krankenhaus Gießen

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Neue Operationstechniken bei Inkontinenz

 

Fortbildung des St. Josefs Krankenhauses: Ärzte versprechen Hilfe bei Blasenproblemen durch Gebärmuttersenkung

 

Gießen (gen). Wenn das Leben sich nur noch um die Toilette dreht, tut Hilfe not. Die gute Nachricht: Eine Therapie ist möglich. Für Blasenprobleme, vor allem im Zusammenhang mit einer Gebärmuttersenkung, gibt es neue Behandlungsformen. Vorgestellt wurden sie bei einer ärztlichen Fortbildungsveranstaltung des St. Josefs Krankenhauses im Martinshof. Eingeladen hatte Dr. Peter Gilbert, Chefarzt der Gynäkologie.
Blasenprobleme sind immer noch ein Thema, über das man nicht spricht. Dabei ist die Zahl der Betroffenen enorm hoch. Aus Angst, die Toilette zu spät zu erreichen, trauen sich viele nicht mehr aus dem Haus. Isolation, Einsamkeit, Abhängigkeit und mangelnde Lebensqualität sind die Folge. Inkontinenz, das heißt unkontrollierter Harnverlust, ist unter Frauen weiter verbreitet als jede andere chronische Krankheit. Im Alter »60 plus« betrifft sie 30 bis 50 Prozent. Männer sind mit dem Problem später konfrontiert, im Alter von 80 Jahren aber kaum weniger als die Frauen. Darauf machte Privatdozent Dr. Klaus Ehlenz, Chefarzt der Geriatrie, aufmerksam.
Viele scheuen sich, einen Arzt aufzusuchen, warten damit jahrelang. Währenddessen steigt der Leidensdruck. Immer wieder kommt es zu Harnwegsinfekten und Hautkrankheiten. Die Menschen trinken zu wenig und sind sturzgefährdet, wenn sie zu hastig zur Toilette wollen.
Bei Männern denkt man schnell an die Prostata, bei Frauen an die Gebärmutter, aber die Probleme können auch die Blase selbst betreffen. Bei zu häufigem Wasserlassen ist jeweils zu fragen: Liegt eine Reizblase vor? Könnte eine Zuckerkrankheit die Ursache sein, eine Herzerkrankung, ein Harnwegsinfekt, oder gibt es psychische Gründe? Leicht übersehen werden Nebenwirkungen von Medikamenten, die deshalb im Alter - wenn nötig - nur niedrig dosiert verabreicht werden sollten. Eine genaue Diagnose ist in jedem Fall wichtig.
Einfache Maßnahmen können helfen. Dazu gehören ein Verhaltenstraining, Hilfsmittel oder Beckenbodengymnastik. Vor allem muss man dafür sorgen, dass die Toilette nicht zu weit weg ist. Es gibt Medikamente, die bei Inkontinenz helfen, doch sind sie wegen erheblicher Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verstopfung und Mundtrockenheit zum Teil problematisch. Bei alten Menschen stehen eine konservative Therapie und die Einbeziehung der Patienten im Vordergrund. Ziel ist, den Betroffenen in den verbleibenden Jahren mehr Lebensqualität zu geben.
Auf den Unterschie zwischen Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz ging Assistenzärztin Dr. Zübeyde Pamukci ein. Eine »hyperaktive Blase« mit häufigem Wasserlassen sei auch ohne Inkontinenz belastend. In seltenen Fällen komme auch ein Defekt der Blasenschleimhaut, eine »interstitielle Zystitis«, als Ursache in Frage. Oft würden bei Frauen im Zusammenhang mit Blasenproblemen Schädigungen durch Geburten angenommen, doch sei dies nicht zwingend, denn Inkontinenz habe man auch bei Nonnen im fortgeschrittenen Alter nachgewiesen.
Hilfreich für die Diagnostik sei ein sogenanntes Miktionstagebuch, in dem Art und Zeitpunkt der Blasenentleerung eingetragen werden. Mittels eines Fragebogens wird die Vorgeschichte abgeklärt. Hinzu kommen die Urinuntersuchung, die gynäkologische Untersuchung, der Ultraschall und insbesondere die Urodynamik, bei der der Druck auf die Blase und die Harnröhre unter unterschiedlichen Bedingungen gemessen wird, zum Beispiel beim Husten. Auf der Grundlage der Ergebnisse falle die Entscheidung für Maßnahmen wie Östrogen- oder Medikamentengaben, Beckenbodengymnastik oder eine Operation. Frühere OP-Techniken mit der Entfernung auch einer gesunden Gebärmutter oder der Scheide hätten im Hinblick auf die Inkontinenz oft neue Probleme gebracht, so Dr. Gilbert. Deshalb sei man davon abgekommen.
Neue Erkenntnisse über den Beckenboden, seine Muskeln und die Bandstrukturen, die die Organe an ihrem Platz halten sollen, haben zu einem besseren Verständnis für Senkungsprobleme und Harnverlust geführt. Deshalb ist es heute wichtig, den vorliegenden Defekt genau zu erkunden, um darauf eine zielgerichtete Therapie aufzubauen. So können bei einer Senkungsoperation netzartige Materialien eingesetzt werden, wie es zum Beispiel bei Leistenbruchoperationen allgemein üblich ist. Damit können geschädigte Aufhängestrukturen im Becken ersetzt werden, was zu nachhaltig guten Operationsergebnissen führt. Spannungsfrei eingesetzte Bänder beseitigen das Problem insbesondere von Frauen, die bisher beim Lachen, Niesen oder Husten Harn verloren haben.

Gießener Allgemeine vom 29.05.2009


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